USA, 2000–2007, Drama/Komödie. Ca. 43 Minuten pro Episode. 21 Episoden in der ersten, 22 Episoden in der zweiten bis siebten Staffel (insgesamt 153 Episoden).
Status: Beendet. Im Mai 2007 lief die letzte Folge in den USA.
Gilmore Girls wurde von Amy Sherman erdacht.
„Gilmore Girls“ erzählt die Geschichte von Lorelai Gilmore (Lauren Graham), der alleinerziehenden Mutter der hochbegabten 16-jährigen Rory (Alexis Bledel). Beide leben in der (fiktiven) Kleinstadt Stars Hollow in Connecticut. Lorelai ist Managerin eines kleinen Hotels, in dem auch ihre gute Freundin Sookie (Melissa McCarthy) als Köchin arbeitet. Beide träumen davon, gemeinsam eine Pension zu eröffnen. Treffpunkt in Stars Hollow und steter Quell für Kaffee und Fastfood sowie Klatsch ist Luke's Diner. Besitzer Luke Danes (Scott Patterson) kann etwas mürrisch sein, hat aber das Herz am rechten Fleck.
Zu ihren snobistischen reichen Eltern Richard (Edward Herrmann) und Emily (Kelly Bishop) hat Lorelai ein gespanntes Verhältnis – spätestens seit sie mit 16 mit Rory schwanger wurde, zuhause auszog und ihr Leben selbst in die Hand nahm. Lorelais Bindungsunfähigkeit sind ebenso Thema der Serie wie Rorys erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht.
Da die Serie in den USA mittlerweile sieben Staffeln auf dem Buckel hat, haben sich einige der Lebensumstände geändert. Deswegen ist es eine gute Idee, amerikanische Gilmore-Girls-Websites zu meiden, damit nicht gewisse Handlungsstränge vorweggenommen werden.
„Gilmore Girls“ verwendet erfolgreich das Grundkonzept einer Riege von liebenswerten – wenn auch exzentrischen – Kleinstädtern, ähnlich wie schon zuvor „Northern Exposure“ („Ausgerechnet Alaska“) oder „Picket Fences“. Getragen wird die Serie aber von den Charakteren der zwei Hauptfiguren, der 16-jährigen ruhigen Einser-Schülerin Rory und ihrer quirligen, nur doppelt so alten Mutter, die nicht nur verwandt sondern auch beste Freundinnen sind. Sie teilen viele Vorlieben bei Film und Musik, Lästereien über ihre Nachbarn sowie die Neigung zu übermäßigem Konsum von Kaffee und Junkfood.
Der Dialogwitz gefällt mir persönlich am besten, und eben skurille Figuren wie Kirk, der sich mit kleinen Jobs über Wasser hält und noch bei seiner Mutter lebt, Miss Patty mit ihrer Vergangenheit im Showbiz, die kurzangebundene religiöse koreanische Antiquitätenhändlerin Mrs. Kim, der wieselige Stadtvorsteher Taylor u. v. m. Klassische Vater-Mutter-Kind-Familien kommen bei den Gilmore Girls fast überhaupt nicht vor. Insbesondere von Zuschauerinnen wird häufig geäußert, sie sähen die Serie vor allen Dingen auch wegen der idealisierten Mutter-Tochter-Beziehung, die sie selbst mit ihren Müttern bzw. Töchtern gern hätten.
Die Serie lebt von ihren Handlungsbögen. Man sollte keine Folge auslassen und die exakte Reihenfolge beim Sehen beibehalten.
Negatives fällt mir kaum ein. Bisweilen wird es etwas seifenopernartig, manche der Konflikte sind arg konstruiert, und hier und da sind gewisse Entwicklungen sehr vorhersehbar. Nach der fast durchgängigen Harmonie in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden in den späteren Staffeln manche Auseinandersetzungen an den Haaren herbeigezogen, die in der gezeigten Form nicht zu den Charakteren passen.
Es blieb sehr lange unklar, ob es noch eine achte Staffel geben würde. Nachdem dann entschieden wurde, daß die siebte die letzte sein wird, mußte man die Handlungsstränge sehr schnell auflösen. Das Ergebnis wirkt ein wenig wie mit der heißen Nadel gestrickt, unter den gegebenen Umständen wurde alles aber vergleichsweise gut aufgelöst.
Wer wissen möchte, wie die Serie ausgeht:
Spoiler, Anfang. Rory bekommt ihren Yale-Abschluß, Logan macht ihr einen Heiratsantrag, sie lehnt ab, wird Reporterin und begleitet den Wahlkampf von Präsidentschaftskandidat Barack Obama. Lorelai und Luke finden nach einer Trennung zum Ende der vorletzten Staffel wieder zusammen. Stars Hollow schmeißt Rory eine große Abschiedsparty. In der letzten Szene sitzen Lorelai und Rory frühmorgens in Luke's Diner, bevor Rory abreist, und frühstücken noch einmal zusammen. Spoiler, Ende.
In den USA sind alle Episoden ausgestrahlt. GG-Tag war immer der Dienstag.
In Deutschland wird die Serie seit dem 2. April 2004 auf Vox gezeigt, fünfmal die Woche um 16:05 Uhr (Wiederholungen jeweils am nächsten Tag vormittags, die Freitagsfolge wird am folgenden Montag wiederholt). Die ersten vier Staffeln wurden bereits ausgestrahlt. In Österreich läuft „Gilmore Girls“ seit dem 24. Februar 2004 täglich um 16 Uhr im ORF.
In den USA und in Deutschland sind die ersten sechs Staffeln auf DVD erhältlich.
Viel habe ich nicht synchronisiert gesehen. Wer die Originalfolgen irgendwie gucken kann, sollte das tun. Lorelai – die Ältere – ist nicht ohne viel Verlust ins Deutsche übertragbar, und sie hat nun mal den größten Redeanteil. Zum einen sind die Originaldialoge schnell, trocken und voller Anspielungen auf US-Kultur und -Alltag, die kaum übersetzbar sind. Zum anderen setzt Lauren Graham ziemlich hohe Maßstäbe, was Timing und Betonung angeht. Eine Synchronisation würde vermutlich sogar scheitern, wenn man im Englischen bliebe. Insgesamt lesen die Sprecher ihre Texte brav und ohne großen Enthusiasmus vor, was der schrägen Bevölkerung von Stars Hollow nun mal nicht gerecht wird.