Filmdetails Komödie. Deutschland 1992. Farbe. 110 Minuten. Starttermin: 12. März 1992. FSK: Freigegeben ab sechs Jahren. Regie: Helmut Dietl.
DVD-Details Erschienen am 31. Januar 2000. Deutsch, Dolby Surround, Dolby Digital 2.0. Bildformat 1:1,76. Extras: Darstellermenüs.
Reporter Hermann Willié (Götz George) braucht dringend mal wieder einen Knüller. Seine Beziehung zur Nichte von Hermann Göring (Christiane Hörbiger) verschafft ihm Zugang zu allerlei Nazi-Memorabilia, aber Bilder des Tafelsilbers mit Hakenkreuzen ihres berühmten Onkels beeindrucken die Redaktion des Magazins HH press nicht.
Bei einer Feier zum „90. Geburtstag des Führers“ trifft Willié neben einem Haufen Altnazis auch den Fälscher Knobel (Uwe Ochsenknecht), der sich als Professor und Antiquitätenhändler ausgibt und die interessantesten Stücke gleich selbst produziert. Knobel verspricht Willié Tagebücher von Adolf Hitler persönlich – hinter dem Eisernen Vorgang könne er die aus einem Flugzeugabsturz geborgenen Kladden beschaffen.
Willié stellt fest, daß Hitlers persönliche Besitztümer tatsächlich kurz vor Kriegsende in einem Flugzeug in Sicherheit gebracht werden sollten, welches dann aber abgeschossen wurde. Er kauft Knobel die ersten Tagebücher ab. Die Redaktion der hh press ist begeistert – und man nimmt nach und nach alle Bücher ab, die Knobel in mühsamer Heimarbeit erstellt.
Die banale Erkenntnis, daß die besten Geschichten das Leben selbst schreibt, zeigt die Affäre um die Hitler-Tagebücher, die der Stern für zehn Millionen Mark erwarb und 1983 als Weltsensation auf seine Titelseiten brachte, nur um kurz darauf zugeben zu müssen, daß man einer Fälschung aufgesessen sei. Helmut Dietls Satire hält sich relativ eng an die tatsächlichen Gegebenheiten. Schlampiger Journalismus, Gier nach Geld und Anerkennung und schließlich die überall mehr oder weniger unterschwellig vorhandene Faszination in Sachen Drittes Reich ermöglichten diese größte aller Zeitungsenten.
Regisseur Dietl zieht alle Register der Übertreibung, um den authentischen Plot als Farce auf die Leinwand zu bringen. Allen voran brilliert George als schmieriger Reporter, der sich je nach Anlaß hündisch buckelnd oder arrogant nach unten tretend, immer aber überzeugt von seinem Tun, an seinem Knüller Hitler-Tagebuch abrackert, ohne die Warnzeichen bemerken zu wollen.
Aber auch die Redaktion der (am Stil der Titelseiten leicht als Stern zu erkennenden) Zeitschrift hh press, als Anhänger des Nationalsozialismus unverdächtig, läßt sich nur zu gern an der Nase herumführen, weil es doch einfach so eine unglaublich gute Geschichte ist. Für Unstimmigkeiten (wie die Initialen FH statt AH auf den Büchern) werden lieber eilig und mühsam Erklärungen gesucht, als das Undenkbare durch saubere Recherche zu widerlegen.
Wäre die Geschichte nicht tatsächlich passiert, könnte man dem Drehbuch seine Übertreibungen vorwerfen. So bleibt der Film jedoch eine wunderbar aufgearbeitete Schelte der größten journalistischen Pleite der Nachkriegszeit. Bis in die Nebenrollen mit bekannten Darstellern gespickt steckt die Geschichte voller kleiner Boshaftigkeiten und Seitenhiebe auf die Besessenheit der Deutschen, was Hitler und sein Privatleben angeht.
Konstantin Weckers Musik unterstützt schwungvoll das Geschehen, er bedient sich zeitweise aber sehr stark bei seinen eigenen Kompositionen, z. B. denen für Kir Royal.
Schtonk! wurde als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert, unterlag aber Indochine. Veronica Ferres startete mit ihrer Nebenrolle als doofer aber liebenswerter Landpomeranze Martha ihre Karriere. Der seltsam anmutende Titel geht zurück auf Charlie Chaplins Film Der große Diktator von 1939, in dem Hitler als Diktator Hynkel parodiert wird und in seinen Reden aus unverständlichen Wortfetzen auch immer wieder jenen Begriff schtonk verwendet.
Punkte Film: 5 von 5.
Bild- und Tonqualität sind solide. Als einziges Extra gibt es „Darstellermenüs“, worunter Fotos der Schauspieler samt Kurzbiographien zu verstehen sind. Was hätte man nicht alles zur Stern-Affäre an Material zusammentragen können. In Sachen Zusatzmaterial enttäuscht die DVD somit auf ganzer Linie.
Punkte DVD: 1 von 5.