Originaltitel: The Searchers. Western, USA 1956, 119 Min., Farbe. Regie: John Ford. Drehbuch: Frank S. Nugent nach dem Roman von Alan Le May. Kinostart: USA 13. März 1956, Bundesrepublik Deutschland 5. Oktober 1956. IMDb, Rotten Tomatoes. Detaillierte Beschreibung bei Filmsite.org.
Texas, 1868. Drei Jahre nach Ende des Bürgerkriegs kehrt Soldat Ethan Edwards (John Wayne) in das Haus seines Bruders Aaron (Walter Coy) und seiner Schwägerin Martha (Dorothy Jordan) zurück, die mit ihren zwei Töchtern Lucy (Pippa Scott) und Debbie (Lana Wood) sowie mit dem Adoptivsohn Martin (Jeffrey Hunter) im Grenzland zu den Indianergebieten leben. Ethan und Martin schließen sich einem Suchtrupp des Rangers Captain Clayton (Ward Bond) an, der gestohlene Rinder finden will. Der Diebstahl war aber nur Ablenkung – in ihrer Abwesenheit wird die Farm der Edwards von Häuptling Scar (Henry Brandon) überfallen und niedergebrannt, das Ehepaar getötet und die Töchter verschleppt. Die ältere Tochter Lucy findet Ethan kurz darauf vergewaltigt und getötet in einer Schlucht. Zusammen mit dem ungeliebten Neffen Martin – dieser ist zu einem Achtel indianischer Abstammung – macht Indianerhasser Ethan sich auf die jahrelange Suche nach der jüngeren Tochter Debbie. Zurück bleibt Laurie (Vera Miles), die Martin heiraten wollte.
Vorsicht: Verrät wesentliche Handlungsstränge und das Ende des Films.
Dieser John-Ford-Western taucht regelmäßig in den Listen bedeutender Western oder allgemein Filme weit vorn auf, er ist ein Genre-Klassiker, auch wenn ihm Oscars verwehrt geblieben sind. Viele renommierte Regisseur wie George Lucas, Martin Scorsese oder Akiro Kurosawa mögen den Film oder haben sich sogar bei seiner Bildsprache bedient.
Die Kameraführung und viele visuelle Gestaltungsideen sind tatsächlich wundervoll und entfalten nach wie vor ihre Wirkung. Anders als andere ältere Filme wurde Der Schwarze Falke in diesem Aspekt nicht von Nachfolgern in den Schatten gestellt.
Die eigentliche Geschichte des Films ist eher simpel. Ethan und Martin machen sich auf die Suche nach dem Mädchen. Ethan wird von seiner Rachsucht angetrieben, Martin bleibt in den späteren Jahren vor allem dabei, weil er ahnt, daß Ethan Debbie töten will, die durch ihre Zeit bei den Indianern und als Frau des Häuptlings als besudelt gilt. Zum Ende des Films hat Ethan tatsächlich die Gelegenheit dazu, bringt das Mädchen stattdessen aber nach Hause, wo auch Martin mit seiner Laurie glücklich werden kann. Ethan jedoch bleibt in der Schlußszene in der Wildnis, in Analogie zur ersten Szene, in der er in der gleichen Kameraeinstellung, durch die Tür von innen nach außen gefilmt, aus der Wildnis bei seinem Bruder ankam.
Dieser Western unterscheidet sich von vielen Genreverwandten seiner Zeit dadurch, daß neben den Indianern auch die Weißen in einem negativen Licht gezeigt werden. Verdeutlicht wird dies durch das Massaker im Indianerdorf, dem auch unbewaffnete Frauen und Kinder zum Opfer fallen, Ethans teilweise exzessive Brutalität, ob nun gegenüber flüchtenden Indianern oder einer Büffelherde, sowie die rassistischen Bemerkungen. Zudem wird ein Grund für die Überfälle der Indianer genannt. Der Häuptling hatte zwei Söhne durch die weißen Eindringlinge verloren; er rächt sich genauso wie Ethan es tut, überhaupt sind sich beide ähnlicher, als sie es ihnen vermutlich selbst lieb wäre. Lange Jahre vor Der mit dem Wolf tanzt und ähnlichen Filmen war dies durchaus etwas Besonderes. Die Hauptfigur Ethan ist weit davon entfernt, der strahlende Held zu sein. Versöhnlich endet der Film insofern, als daß er auf den geplanten Tod der Nichte verzichtet. Ethan hat seine Vorurteile überwinden können, bleibt aber ein Außenseiter, weder Indianer (obwohl er viel über ihre Bräuche weiß und die Sprache der Komantschen spricht), noch einer der Siedler.
Leider macht ein etwas realistischeres Bild der Verhältnisse in den USA zur Zeit der Indianerkonflikte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch keinen guten Film aus.
Dieser leidet zunächst einmal unter einer Vielzahl von Inszenierungsproblemen, die zur Entstehungszeit in den Fünfzigern vermutlich so nicht wahrgenommen wurden.
Ein weiteres wesentliches Problem ist die Schauspielerei. Besonders die jüngeren Figuren werden von ihren Darstellern teilweise völlig überzeichnet gegeben. Laurie, wenn sie verzweifelt ist, Debbie, als sie gerettet wird, Martin, in seiner Wut über Ethans Tötungsabsichten. Ob die Schauspieler dies auf Anweisung von Ford so gemacht haben oder er es ihnen einfach hat durchgehen lassen, das Ergebnis bleibt zweitklassig.
Im Gegenzug fehlt es beim Spiel von John Wayne. Der Mann ist kein Laurence Olivier, und seine Rolle ist die eines verschlossenen Außenseiters, der nur wenig Emotionen zeigt, aber an manchen Stellen wäre etwas mehr wünschenswert gewesen. So bleibt der immer gleiche Gesichtsausdruck, der manchmal durch etwas böseres Gucken und Close-Ups des Gesichts untermalt wird. Steven Seagal hätte es auch nicht schlechter gemacht.
Das Hauptproblem bleibt jedoch das Drehbuch mit seinen vielen Ungereimtheiten.
Während manches unbeholfen umgesetzt und zur Verdeutlichung für den Zuschauer mehrfach wiederholt wird, werden andere Aspekte nur so subtil angedeutet, daß man sich fragen muß, wozu sie dienten. Ethans Zuneigung zu seiner Schwägerin muß man erahnen (seine Liebe zu ihr als Grund für seine Rache?), sein Haftbefehl wegen der Tötung des geldgierigen Futterman wird erwähnt, aber nicht weiter verfolgt, die Herkunft von Ethans Goldmünzen sowie sein Verbleib in den drei Nachkriegsjahren vor der Handlung läßt man im Dunkeln. Vielleicht soll Ethans zweifelhafte Moralität unterstrichen werden, oder sein Status als gebrochener Held, tatsächlich hängen diese Teile der Geschichte aber einfach nur als lose Enden herum.
Zum deutschen Filmtitel: Häuptling Scar heißt in der deutschen Synchronisation anscheinend Schwarzer Falke. Der Titel soll offenbar transportieren, daß es sich um einen Western handelt. Die Umbenennung und Hervorhebung einer etwa fünf Minuten im Film vorkommenden Figur ist mal wieder so ein Fall von Synchronisationsleuten bzw. Verleihfirmen, die sich an fremden Filmen vergreifen, statt ihre eigenen zu drehen. Schade drum.
Fazit: Der Film verdient seinen Status als einer der großen Western nicht. Es gibt an der Geschichte und ihrer Inszenierung manches zu bemängeln. Insbesondere durch die wunderschönen Bilder setzt sich der Film aber von der Masse ab. Jeder muß für sich entscheiden, ob ihm dies zwei Stunden lang ausreicht, um die scheunentorgroßen Löcher in der Handlung zu überdecken.
Wertung: 60 %.