Filmdetails Originaltitel: Le clan des Siciliens. Kriminalfilm, Thriller, Drama. Frankreich, 1969. Farbe. 116 Minuten. Erstaufführung: 1. Dezember 1969 (Frankreich), 13. Februar 1970 (Westdeutschland). FSK: Freigegeben ab sechzehn Jahren. Regie: Henri Verneuil.
DVD-Details Erschienen am 4. Oktober 2003. Ton: deutsch (Mono), französisch (Dolby Digital 5.1), italienisch (Dolby Digital 5.1). Untertitel: deutsch, französisch, italienisch, niederländisch. Bildformat 1:2,35. Extras: französischer und US-amerikanischer Kinotrailer.
Der wegen Raubüberfalls und Mordes an Polizeibeamten angeklagte Roger Sartet (Alain Delon) wird während des Rücktransports zum Gefängnis nach einem Gerichtstermin befreit. Die von seiner Schwester dazu beauftragte sizilianische Familie Manalese führt diesen Auftrag routiniert und elegant ohne Gewaltanwendung aus. Polizeiinspektor Le Goff (Lino Ventura) tobt, hatte doch die Festnahme Sartets zwei seiner Beamten das Leben gekostet, und die Beweislage gegen Sartet vor Gericht war hieb- und stichfest. Familienoberhaupt Vittorio Malanese (Jean Gabin) nutzt den Verdienst aus diesem Auftrag, um Land auf Sizilien zu kaufen. Er plant, seine Werkstatt für Spielautomaten in Paris genau wie seine Verbrecherkarriere aufzugeben, und seinen Lebensabend in der alten Heimat zu verbringen.
Der flüchtige Sartet wird in der Wohnung von Vittorios Sohn Aldo und dessen Frau Jeanne versteckt. Der hitzköpfige und skrupellose Sartet bringt sich und seine Befreier in Gefahr, als er aus dem Haus schleicht, um eine Prostituierte zu besuchen. Er unterbreitet den Malaneses schließlich ein Angebot zu einer Kooperation – ein Raubüberfall auf eine Juwelenausstellung, für die er von einem Mitinsassen im Gefängnis die Pläne des Sicherungssystems bekommen hat.
Dieser Coup würde die Karriere Vittorio Malaneses krönen, allerdings erfordert er wegen seiner Größe Hilfe von außen. Malanese tut sich mit seinem alten Freund Tony Nicosia aus den USA zusammen. Alles könnte sehr viel einfacher sein, wäre da nicht Sartets mangelnde Loyalität.
Dieser Thriller ist ein Klassiker des Gangsterdramas, im Englischen gibt es den Begriff des „heist film“, also des Überfallfilms, zu dem auch Der Clan der Sizilianer gehört.
Geprägt wird der Film durch das Dreigestirn der Hauptdarsteller, deren Rollen sich alle durch ihre Härte auszeichnen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Gabin als Malanese ist der Patriarch seiner Familie, verlangt dominant Gehorsam, zeigt aber kaum Regungen. Delon als junger Heißsporn Sartet agiert hingegen übertrieben brutal und bringt sich und andere durch unnötige Extratouren in Gefahr. Ventura als Le Goff muß trotz sauberer Ermittlungsarbeit die meiste Zeit Niederlagen einstecken und neigt dabei zu gelegentlichen Gefühlsausbrüchen, um seiner Frustration Luft zu verschaffen.
Das Drehbuch verzichtet angenehmerweise auf überflüssige Diskurse in die technischen Details der Planung, die in anderen Filmen des Genres unnötig viel Zeit einnehmen. Der Zuschauer erfährt nur soviel, daß er mitfiebern kann. Dialoge zur Charakterisierung der Rollen wechseln sich mit actiongeladeneren Szenen in einem vernünftigen Verhältnis ab. Klischees werden größtenteils vermieden (die unangezündete Zigarette zum Abgewöhnen des Rauchens, die in der Krise dann entzündet wird, hätte es beispielsweise nicht gebraucht).
Hintergründe werden kompakt und unaufdringlich, aber leicht verständlich eingeführt. So reicht eine kurze Szene, in der ein Briefmarkenspezialist zum Abendessen bei den Malaneses eingeladen wird, um die komplette Familie vorzustellen, Vittorios Position zu demonstrieren und die Geringschätzung zu verdeutlichen, die er für seine Schwiegertochter empfindet, die eingeheiratete Französin und einzige Nichtsizilianerin in der Familie. Spannung wird immer wieder geschickt erzeugt und am Leben erhalten, so beim Beobachten der Ankunft von Passagieren, oder im Fall einer unerwartet auftauchenden Person, die den Überfall zum Scheitern bringen könnte.
Die Kamera fängt kalt Bilder der Großstadt ein und unterwirft sich demselben Minimalismus wie Buch und Jean Gabin. Stilistisch erinnert einiges an den Film noir, die Coolness der Darsteller und der Inszenierung zieht sich durch den kompletten Film.
Besonders erwähnenswert ist die musikalische Untermalung durch Ennio Morricone. Mit dem durchdringenden Hauptthema beginnt der Film in einer dreiminütigen Sequenz, und es tritt auch in weiteren entscheidenden Passagen immer wieder auf.
Der Clan der Sizilianer war der einzige gemeinsame Film der drei genannten Hauptdarsteller, die zu den Größen des französischen Kinos dieser Zeit zählten. Entsprechend ist für die anderen Schauspieler nicht viel Platz. Insbesondere für Frauen scheinen keine starken Rollen mehr übriggeblieben zu sein. Malaneses Frau und Tochter sind (soll das typisch sizilianisch sein?) so gehorsam wie schweigsam, Irina Demick als Aldo Malaneses Frau Jeanne darf nur in einzelnen Momenten ihrer für die Handlung entscheidenden Rolle als verführter Unglücksengel etwas mehr Inhalt verleihen. Sartets Schwester leidet still. Ansonsten sind einige Einstellungen mit nacktem (weiblichen) Fleisch ein Zugeständnis an die männliche Zuschauerschaft – vermutlich das anvisierte Zielpublikum – und eine Erinnerung daran, daß es sich um keinen amerikanischen Film handelt.
Wertung Film: 100 %.
Bis auf zwei Kinotrailer von 1969, die durch ihre relative Langsamkeit und teilweise unfreiwillige Komik bestechen, ist diese DVD frei von Extras.
Wertung DVD: 20 %.