Hauptseite > Filme

Casino Royale

Agententhriller, USA/Deutschland/Großbritannien/Tschechien 2006, 144 Min. Farbe. Dreharbeiten: Januar bis Juli 2006.

Inhalt

James Bond (Daniel Craig), Agent des britischen Geheimdienstes MI-6, hat gerade seine Doppelnull-Lizenz erhalten, die ihn zum Töten im Einsatz berechtigt. Zunächst verfolgt er einen Terroristen in Madagaskar, dann den Verbrecher Dimitrios auf den Bahamas und in Miami. In einem Pokerspiel mit hohen Einsätzen in Montenegro trifft Bond auf Le Chiffre (Mads Mikkelsen), der Geld für Terrororganisationen verwaltet. Weitere Schauplätze sind der Comer See, Venedig und Prag. Unterstützt wird Bond von Vesper Lynd (Eva Green) vom britischen Finanzministerium.

Kommentar

Fulminanter Einstieg Craigs in die Bond-Reihe, gleichzeitig eine Art Neustart für das mittlerweile über 40 Jahre alte Unternehmen Bond: 007 als Anfänger. Die Actionszenen entsprechend dem Standard, den man heutzutage erwartet, die Darsteller sind gut ausgewählt, und auch das Titellied „You Know My Name“ von Soundgarden- und Audioslave-Sänger Chris Cornell hat den bombastischen Bond-Sound mit seinen Vorgängern gemein. Während die Bösewichte eher eindimensional bleiben, ist die weibliche Hauptrolle weitgehend klischeefrei angelegt. Eine angenehme Abwechslung zu früheren Zeiten.

Der Bond-Film mit der bis dato längsten Laufzeit hat allerdings Probleme mit der Dramaturgie. Er wirkt wie aus Episoden zusammengesetzt, die nicht sauber miteinander verbunden sind. Der verliebte Bond im hinteren Teil des Films ist arg schwülstig inszeniert, das Pokerspiel in der Mitte zu lang. Die Folterszene mit Bonds Sprüchen erntete im Kino ein paar Lacher, die ich aufgrund der Thematik ekliger fand als die Folter an sich. Ansonsten ist der Film eine Rückkehr zum harten Agententhriller fast ohne überflüssigen technischen Schnickschnack. Besonders beeindruckend ist die Verfolgungsjagd auf einer Baustelle zu Beginn des Films.

Ungewöhnlich ist bei diesem Film der Verzicht auf die klassischen, sich jagenden Lichtkegel, die die Doppelnull symbolisieren, zu Beginn des Films, ebenso wie die Anfangsszenen in Schwarz-Weiß und das Bond-Musikthema, das erst am Ende verwendet wird.

Zwischen diesem und dem vorigen Bond „Stirb an einem anderen Tag“ hat man sich immerhin vier Jahre Zeit gelassen. Der nächste Craig-Bond ist für 2008 angesetzt, die Wartezeit wird also wieder kürzer. Je nach Zählweise war „Casino Royale“ der 21. oder 22. (Kevin McClorys Konkurrenzprojekt „Sag niemals nie“ von 1983, ein Remake von „Feuerball“ mit eingerechnet) Film der Bond-Reihe.

Der Roman „Casino Royale“ von Ian Fleming von 1953 wurde zuvor bereits zweimal filmisch umgesetzt. Einmal 1954 als Fernsehfilm mit Peter Lorre als Chiffre, als dritter Teil der CBS-Reihe Climax! Schließlich 1967 als Parodie auf die James-Bond-Filmreihe, mit einer Vielzahl bekannter Darsteller wie Peter Sellers, Orson Welles, David Niven, Woody Allen und Peter O'Toole.

Fazit: Wer die Frühwerke der Serie wie Dr. No oder Liebesgrüße aus Moskau mag, wird auch an dieser zeitgemäßeren Bond-Inszenierung Gefallen finden. Nun sind allerdings alle Fleming-Romane verfilmt, so daß zukünftige Filme ohne Handlungsbögen und Versatzstücke des vor über 40 Jahren verstorbenen Originalautors auskommen müssen.

Wertung: 80 %.

Links

IMDb, Wikipedia, Offizielle Site.