Originaltitel: Sunset Blvd., auch Sunset Boulevard. Drama, USA 1950, 110 Min., schwarz-weiß. Regie: Billy Wilder. Drehbuch: Billy Wilder, Charles Brackett, D. M. Marshman jr. Kinostart: USA 4. August 1950, Bundesrepublik Deutschland 7. April 1951. Freigabe: Bundesrepublik Deutschland FSK:16. IMDb, Wikipedia, Rotten Tomatoes. Detaillierte Beschreibung bei Filmsite.org.
Los Angeles, 1950. Autor Joe Gillis (William Holden) hat wenig Erfolg, seine Vorschläge für Drehbücher werden von Hollywoods Filmstudios nicht angenommen. Als freier Mitarbeiter geht ihm das Geld aus. Auf der Flucht vor zwei Männern, die wegen ausbleibender Ratenzahlungen seinen Wagen an das Autogeschäft zurückführen wollen, hat er einen Platten und versteckt seinen Wagen in der Garage eines scheinbar verlassenen Anwesens.
Tatsächlich lebt dort in einem großen palastartigen Haus Norma Desmond (Gloria Swanson), bis auf ihren Butler Max von Meyerling (Erich von Stroheim) allein. Desmond, ein Star zur Zeit des Stummfilms, ist mittlerweile in Vergessenheit geraten. Ihr letzter Film ist lange her, aber sie arbeitet an einem Drehbuch, das sie zurück auf die Leinwand bringen soll. Der junge Drehbuchautor kommt ihr wie gerufen, sie engagiert ihn, um gemeinsam an ihrem Werk zu arbeiten. Gillis ist wenig begeistert, insbesondere nach einer ersten Durchsicht des Drehbuchs, er nimmt aber schließlich aus finanziellen Gründen an.
Gillis' Abhängigkeit von seiner Arbeitgeberin wird immer größer. Ungefragt werden seine Besitztümer von seinem Appartement in die Villa gebracht, Desmond kauft ihm teure Kleidung und hält ihn auch sonst aus. Gillis fängt an, zusammen mit der jungen Drehbuchautorin Betty Schaefer (Nancy Olson) an einem Skript zu arbeiten.
Billy Wilders Film über die Filmwelt gilt zurecht als einer der ganz großen Klassiker Hollywoods. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film Noir schafft eine eigentümliche, düstere Stimmung, wenn er in Desmonds Haus spielt, als Kontrast zum ansonsten sonnendurchflutet und modern dargestellten Kalifornien. Die Hoffnungslosigkeit der Geschichte wird in der ersten Minute verdeutlicht, wenn der Zuschauer erfährt, daß der Erzähler derjenige ist, welcher als Leiche im Pool liegt. Sarkastisch wird angemerkt, daß er endlich den Pool bekommen hat, den er immer wollte, wenn auch zu einem hohen Preis.
Der Zuschauer kann sich mit dem sich abmühenden Gillis identifizieren. Aus der Provinz kommend, hat der Autor offenbar einige kleinere Projekte absolviert, dann aber hat ihn der Erfolg verlassen. In Geldnöten nimmt er Desmonds Angebot an, ist sich dabei aber stets bewußt, wie absurd ihre Bestrebungen sind, selbständig an ihre glanzvollen Zeiten anzuschließen zu wollen. Nachdem er zunächst zufrieden darüber war, wie er auf einfache Weise das dringend benötigte Geld verdienen kann, widert Gillis seine eigene Käuflichkeit und Abhängigkeit immer mehr an. Sein finaler Ausbruchsversuch kostet ihn schließlich das Leben.
Der Film ist voll von sarkastischen Kommentaren über das Filmgeschäft und seine Schnellebigkeit, und gespickt mit Symbolen für Tod, Verfall und die Wirkung der Filmindustrie, alles verschlingend, was sie berührt. Auf Authentizität wurde großen Wert gelegt, Cecil B. DeMille spielt sich selbst, auch ein paar Stummfilmgrößen wie Buster Keaton haben einen Gastauftritt. Hollywood-Drehorte wie ein Paramount-Studio oder Schwab's Drug Store tragen zusätzlich dazu bei. Einige Kleinigkeiten sind für den Zuschauer von heute nicht verständlich, wie die Erwähnung des Mordes an der Schauspielerin Elizabeth Short (Black Dahlia), der zur Zeit der Entstehung des Films erst einige Jahre zurücklag.
Boulevard der Dämmerung gewann drei Oscars (Drehbuch, Ausstattung, Musik) bei insgesamt elf Nominierungen.
Fazit: Eine düstere Geschichte mit schwarzem Humor, meisterhaft umgesetzt. Kein Film, um gute Laune zu schaffen, aber in Anbetracht der Thematik erstaunlich leichthändig inszeniert. Nicht nur, aber vor allem auch für Filmfans.
Wertung: 100 %.